Gießener Anzeiger vom 21. Februar 2003

Schutzdamm zwischen Lahn und Ring geplant

Kreisverband des BUND begann Vortragsreihe

KREIS GIESSEN (fm). Der Kreisverband Gießen im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) wird darauf achten, dass die in Gießen anstehenden Schritte zum Hochwasserschutz unter ökologischen Gesichtspunkten wie Auenschutz und Artenvielfalt gegangen werden. Dies betonte Gerd Jachimsky, Vorsitzender des Kreisverbands, zu Beginn einer vierteiligen Vortragsreihe im Winchester-Zimmer der Kongresshalle.
In seiner Power-Point Präsentation zum „Hochwasserschutz in Gießen“ sagte Clemens Abel, seit zwei Jahren Leiter des städtischen Tiefbauamtes, dass „Gießen eines der trockensten Gebiete der Bundesrepublik“ sei. „Wir haben hier nur kurze Hochwasser.“ Von dem in den sechziger Jahren durchgeführten Projekt „Ausbau der Lahn“ habe die Stadt sehr profitiert. „Wir leiten das Wasser schneller weiter, sonst wären die Hochwasser nicht so glimpflich abgegangen.“
Bei einem hundertjährigen Hochwasser mit einem Fließvolumen von 600 Kubikmeter in der Sekunde wäre die Weststadt ein komplettes Überschwemmungsgebiet. Deshalb habe die Stadtverordnetenversammlung im November vergangenen Jahres dem Bau eines Hochwasserschutzdammes zwischen Lahn und Gießener Ring zugestimmt.
Anders als der ursprüngliche Damm aus den siebziger Jahren solle der neue Damm nicht entlang des Lahnufers verlaufen, sondern „an der Grenze des Flächennutzungsplanes, möglichst dicht an der Besiedlung“. Vorerst liegt nur eine Studie vor, die noch in diesem Jahr mit einem Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden soll. „2004 würde wir gerne mit dem Bau beginnen“, sagte Abel. Der sehr flach gehaltene Damm mit einer Höhe zwischen einem Meter und 1,70 Meter werde der Lahn Fläche wegnehmen. Dafür seien Ausgleichflächen an ihrem Oberlauf vorgesehen.
Abel skizzierte eine große Zahl von Einzelmaßnahmen, die das „Handeln im Ernstfall“ bestimmen und schärfte dem diskussionsfreudigen Publikum ein: „Künftig heißt es nicht ‚Schutz vor dem Hochwasser', sondern nur noch Leben mit dem Hochwasser'.“ „Gewässer sind die Lebensadern in der Landschaft“, betonte Gartenamtsleiter Jürgen Friedel, der bereits abgewickelte Maßnahmen im Bereich des Gewässerrückbaus und Rückhalteräume vorstellte. Auf knapp 400000 Kubikmeter schätzte er die von Baumaßnahmen am Kropbach, Klingelbach, Kleebach und Wieseck zurückgehaltene Wassermenge. Dazu zählt auch die Sanierung „Neuer Teich“ in der Wieseckaue.
Für den gelernten Garten- und Landschaftsarchitekten muss die Lahn samt Uferregion auch als Erholungsgebiet nutzbar sein. „Dazu gehören auch Sport, Freizeit und Ästhetik", sagte Friedel. "Wenn von der Quelle bis zur Mündung jede Gemeinde so arbeiten würde wie Gießen, wo technische Bauten, Dämme und Durchlässe einer Doppelnutzung zugeführt werden, wäre das ein bemerkenswerter Beitrag zum Hochwasserschutz.“

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