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Pressemitteilung vom 6. Oktober 2010

BUND-Vortrag:
„Nachwachsende Rohstoffe – eine Chance für die Biodiversität?“

Pflanzen als Energie- und Rohstoffquelle der Zukunft, was bedeutet diese Entwicklung für die Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft ? Diese Frage erläuterte gestern Herr Reiner Diemel vom Regierungspräsidium Gießen in der Vortragsreihe des BUND Gießen zum Thema Biodiversität.

Bisher werden auf etwa 3 % der Ackerflächen des Landes Hessen sog. Nachwachsende Rohstoffe (NAWARO), also Nutzpflanzen, die energetisch oder stofflich verwertet werden können, angebaut. Eine Schätzung für 2020 geht von einer Steigerung dieses Anteils auf 5 bis 6 % aus. Damit bleibt der Anteil an NAWARO – Pflanzen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Hessen im Vergleich mit anderen Bundesländern eher klein.

Neu sind einige der angebauten Nutzpflanzenarten, wie z.B. Chinaschilf (Miscanthus x gigantheus) oder Sudangras (Sorghum x dummondii). Die bekannteste nachwachsende Rohstoffpflanze ist jedoch der Mais, der in der Regel zu Futterzwecken angebaut wird. Sein Anbau zur Energiegewinnung hat die bundesweite Anbaufläche 2010 auf 1,85 Mio ha steigen lassen, wovon etwa 20 bis 25 % zur Biogasgewinnung verwendet werden, erläuterte der Referent.

Neue Nutzpflanzen, vielfältigere Fruchtfolgen und extensive Anbaumethoden mit weniger Kunstdünger und Pestizideinsatz bieten eine Chance für die Entwicklung neuer Lebensräume. In Regionen mit Konzentrationen von Maisabbau rund um Biogasanlagen kann es jedoch zur Ausbildung von Monokulturen ähnlich wie im Futtermaisanbau kommen. Für Hessen mit seiner insgesamt eher geringen Maisanbaufläche ist dies aber bisher kein gravierendes Problem. Daher stellt sich auch die Frage „Tank gegen Teller – Bioenergiepflanze oder Nahrungsmittelanbau“ für Hessen noch nicht.

Der Anbau und die Nutzung von Biomasse als Energielieferant ist mittlerweile ein verzweigtes Forschungsgebiet, in dem spezielle Weiterverabeitung auch von Abfallstoffen und Grünschnitt aus der Landschaftspflege untersucht wird. Der Erhalt und die Entwicklung der Kulturlandschaft werden daher gerade auch in einem naturräumlich so vielfältigen Land wie Hessen zuhnehmend mit neuen Techniken wie Anbau und Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen verknüpft sein.

R. Diemel, RP Gießen

Herr R. Diemel, RP Gießen, erläutert das Vortragsthema bei der BUND-Veranstaltung (Foto: A. Hager, Heuchelheim)

Die BUND Kreisgruppe Gießen wird den Themen-Schwerpunkt „Biodiversität” mit einem weiteren Vortrag am 2.11.2010, 20:00 Uhr, Kongresshalle Gießen, Winchesterzimmer, vertiefen.

Pressekontakt: Andrea Malkmus, BUND-Kreisgruppe,
Mobil: 0178 – 808 6148
E-Mail: info@bund-giessen.de, amalkmus@bund-giessen.de